Kulturgärten

Die ACO Kulturgärten

Seit Jahrhunderten versuchen Maler, Komponisten und Literaten die Facetten der Natur in ihren Werken einzufangen und darzustellen. Die ACO Kulturgärten auf der Landesgartenschau Eutin drehen dieses Prinzip um. Ein Wettbewerb, der sich an Studierende der Landespflege, der Garten- und Landschaftsarchitektur und der Landschaftsplanung richtete, stellte folgende Frage: Wie können künstlerische Werke durch die Natur erlebbar gemacht werden? Die Teilnehmer des Wettbewerbes sollen Gartenkompositionen entwerfen, die das Schaffen von Künstlern aus Schleswig-Holstein und Eutin interpretieren und so den Werken ein - im wahrsten Sinnes des Wortes - natürliches Gesicht verleihen.

Während der Landesgartenschau werden die ACO Kulturgärten zur grünen Bühne für Kulturveranstaltungen. In Anlehnung an das Gartenthema wird es Lesungen, Konzerte, Stationentheater und Kleinkunst geben. Vorhang auf für eine Gartenkunst der ganz besonderen Art!

Gartenkultur: Gartenkomposition

Diesem Kulturgarten diente die Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber als Inspiration. Doch steht hier die Musik, genauer die Ouvertüre im Mittelpunkt der Gestaltung. Sie wird in der Gartenkomposition auditiv und visuell erlebbar.

Die Amplitude der Ouvertüre gibt den Grundriss für ein den Garten durchquerendes Deck aus Rinnenkörpern vor. Die Ausschläge der Amplitude schaffen hier Teilräume, die für die vier Sequenzen der Ouvertüre stehen. In jedem Raum greifen Bepflanzungen und Klanginstallationen die unterschiedlichen Stimmungen der Sequenzen auf: Der erste musikalische Abschnitt ist geprägt von einer mystischen, dunklen Melodie, die durch einen dunklen Raum - die Black Box - visualisiert wird. Während er diese durschreitet, hört der Besucher die Klänge der Ouvertüre, die gleichzeitig durch LED-Lichter farblich wahrnehmbar sind. Im weiteren Verlauf des Musikstücks hellt sich die Melodie auf, und so führt der Weg hinaus aus dem Raum ins Freie. Die dritte Sequenz bildet einen Übergang vom zweiten zum vierten musikalischen Abschnitt. Auch dieser Verlauf ist mit Pflanzen dargestellt. Eine fröhlich-leichte Melodie prägt schließlich die vierte Sequenz der Ouvertüre, die ihr Pendant ebenfalls in der lebendigen Anordnung der Pflanzen findet.

Planung:
Thomas Reimann, Stephan Rost
Leibniz Universität Hannover

Gartenkultur: Der Freischütz

Auch in diesem Kulturgarten wird die Romantikoper des Eutiner Komponisten Carl Maria von Weber gestalterisch interpretiert und erlebbar gemacht. Hierfür wird der Besucher durch drei Gartenräume geführt.

Zu Beginn trifft er jeweils auf eine abstrakte Darstellung des Max und der Agathe, geschaffen von der Eutiner Künstlerin Karin Lamp. Durch ihre räumliche Trennung werden die Leidenschaft und der schwere Weg der Liebenden symbolisiert.

Der zweite Gartenraum ist die Wolfsschlucht; sie wird in der Oper als Ort des Bösen dargestellt. In ihr lebt der Teufel Samiel und wartet auf Seelen, die sich ihm für Freikugeln verkaufen wollen. Sechs silberne und eine schwarze Kugel sind auf Stahlstäben um eine Feuerschale arrangiert und bilden die Kulisse des Freikugelgusses. Die abgesenkte Lage des Raumes und hoch aufragende Findlinge unterstreichen die düstere Stimmung dieser Szenerie.

Im hinteren Bereich des Gartens wechselt die Stimmung wieder, bringt eine Leichtigkeit mit sich und löst die bedrohliche Atmosphäre in der Wolfsschlucht auf. Wie in der Opernvorlage bricht hier die weiße Rose schließlich den gefährlichen Zauber.


Planung:
Claudia Hilmer, Stefanie Esser
Hochschule Osnabrück

Gartenkultur: Kultur 36

Dieser Garten inszeniert 36 Kultureinrichtungen der Stadt Eutin. Sie alle bekommen so auf dem Landesgartenschaugelände eine Plattform, die ein breites Publikum erreicht. Hierdurch entsteht eine Verbindung zwischen der  kulturellen Vielfalt Eutins und dem Ausstellungs- und Freizeiterlebnis Landesgartenschau. 

Das Konzept für den Garten basiert auf einer modularen Anordnung von 36 Pflanzkübeln aus Holz. Die Kübel beherbergen jeweils eine Felsenbirne und bieten Platz für Bücher und Zeitschriften, die thematisch zu den ausgewählten kulturellen Einrichtungen passen. Farblich harmonierende Hocker laden an jedem Modul dazu ein, unter dem lichten Hain der Felsenbirnen zu verweilen. Zu Beginn der Landesgartenschau stehen die Bäume in voller Blüte; gegen Ende der Ausstellung zeigen sie eine flammend rote Herbstfärbung. Die Besucher können sich den Garten auf individuelle Weise aneignen, lesen oder einfach einige ruhige Minuten im Schatten verbringen. Im Anschluss an die Landesgartenschau sollen alle 36 Ausstellungsmodule in den kulturellen Institutionen aufgebaut werden, die im Garten dargestellt sind. Auf diese Weise lebt der Kulturgarten „Kultur 36“ im Stadtraum und im Bewusstsein der Menschen weiter.


Planung:
Andreas Müller, Gregor Schütze
Leibniz Universität Hannover

Gartenkultur: TAT&ORT

Dieser Kulturgarten setzt gesellschafts- und naturkritische Themen gekonnt in Szene.
Was macht einen echten Krimi aus? Genau: die Gesellschaftskritik. Schuld am Tod ist am Ende immer die Gesellschaft. Der Garten Tat&Ort übt auf subtile Weise Kritik am   menschlichen Umgang mit der Natur. Wie im Krimi wird Wert auf die leisen Zwischentöne gelegt, um das diffizile Verhältnis zwischen Mensch und Natur aufzuarbeiten.
Das Thema Pflanze ist abstrakt in Form eines „ermordeten“ Baumes umgesetzt, dessen Kreidesilhouette sich auf dem Boden abzeichnet. Der Besucher selbst wird zum Ermittler: Welches Verbrechen liegt vor? Wurde der Baum für einen Parkplatz umgebracht? Wurde er zu einer Bank oder zur Bühne verarbeitet? Oder ist das wahre Verbrechen die Gestaltung des Gartens?
Einen Großteil seiner Spannung zieht der Garten aus der ungewöhnlichen Gestaltung. Er bietet die Chance, Kultur einmal ganz anders zu erleben: Am Tatort einer Baustelle oder eines Gewerbehinterhofes, symbolisiert durch eine Fläche aus Beton. Stellwände bilden Schlagworte als Hinweis auf einen möglichen Tathergang ab.


Planung:
Ann-Christin Arians, Boris Freyer
Leibniz Universität Hannover

Gartenkultur: Eutin serviert Kultur

Dieser Kulturgarten interpretiert die landschaftliche und kulturelle Identität Eutins und Schleswig-Holsteins: Eichen, Felder und Knicks als Symbole für die charakteristische Landschaft bilden den Rahmen für die Eutiner Kulturtafel, an der Berühmtheiten der Stadt Platz nehmen könnten.

Die Landschaft rund um Eutin ist von der bäuerlichen Nutzung der vergangenen 200 Jahre geprägt. Aus der Luft betrachtet, formieren sich Felder zu einem geometrischen Raster. Sowohl das Raster als auch das typische Vegetationsbild werden im Garten durch eine Staudenbepflanzung  repräsentiert. Das 45.000 km lange Knicksystem Schleswig-Holsteins findet sich in einem Doppelknick wieder, durch den die Besucher in den Festsaal geleitet werden. Er symbolisiert die früheren Festlichkeiten im Eutiner Schloss, zu denen sich Größen wie  Carl Maria von Weber, J. H. Wilhelm Tischbein und Johann Heinrich Voß zusammenfanden, um sich an der Schlosstafel auszutauschen. Der Gartenbesucher wird eingeladen, gemeinsam mit den Künstlern am Tisch Platz zu nehmen, der zur Bühne wird, wenn an ihm - im wahrsten Sinne des Wortes - Kultur serviert wird.


Planung:
Tobias Glahn, Arthur Sawatzky
Technische Universität Berlin

Gartenkultur: Sommergäste

In seinem Theaterstück aus dem Jahr 1904 lässt Maxim Gorki in Anlehnung an den russischen Dichter Anton Tschechow die Sommergäste als desorientierte Personen auftreten, die Sinn und Ziele im Leben verloren haben. Das Motiv des Menschen, der auch in der heutigen Zeit nach einem glücklichen, erfüllten Leben strebt, diente als Inspiration für diesen Kulturgarten auf der Landesgartenschau Eutin. Jeder, so die Botschaft, war in seinem Leben schon einmal Sommergast und versucht, aus den Mühlen des Alltags auszubrechen.

In Gorkis Stück wandern die Sommergäste schwermütig durch einen silbrigen Birkenwald. Dieses Bild greift der Kulturgarten auf: Vor der charakteristischen Landschaft Eutins im Herzen der Holsteinischen Schweiz entstand auf der Landesgartenschaufläche eine romantische Kulisse aus jungen Birken und filigranen Grashalmen. Das Blätterdach der Birken schirmt den Gartenraum von der Umgebung ab und macht ihn zu einem meditativen Ort, an dem sich der Besucher wohlfühlt. Ein Sitzplatz mit Kissen wird zum Raum im Raum, der dazu einlädt, eine Pause vom Alltag einzulegen und der Musik und der Poesie auf der Bühne zu lauschen. 


Planung:
Laura Rülk, Rienna Sina Kroos
Hochschule Osnabrück